Genehmigung für weltweit erstes Carbonbeton-Gebäude

In Dresden an der Einsteinstraße wird in nächster Zeit das weltweit erste Carbonbeton-Gebäude entstehen, nachdem die Landeshauptstadt die Baugenehmigung erteilt hat. Aufgrund der aktuellen Pandemie wurde die Grundsteinlegung für das Gebäude aus Carbonbeton allerdings bis auf weiteres verschoben.

„Die Erlangung der Baugenehmigung ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg, das erste, vollständig aus Carbonbeton errichtete Gebäude zu bauen.“
(Manfred Curbach, Bauherr und Leiter des Institutes für Massivbau der TU Dresden)

Es soll ein in seiner Bauweise außergewöhnliches und in der Optik futuristisch anmutendes Gebäude entstehen: Ein 220 m2 großer Experimentalbau, der gleichzeitig als Versuchsstand dienen wird. Das ursprünglich als Kubus geplante Gebäude bekommt architektonischen Schwung durch zwei symmetrisch gegenüber angeordnete Twist-Elemente.

Diese bilden gleichzeitig den seitlichen sowie oberen Raumabschluss und veranschaulichen das Anwendungsspektrum der Carbonbetonbauweise. Die Box verdeutlicht wiederum, dass herkömmliche Baukörper des Hochbaus nach dem Stand der Technik bereits mit Carbonbeton errichtet werden können.

Update: Das Bauprojekt wird weiter fortgeführt. Die Planer arbeiten momentan an der Ausführungsplanung, die bis Ende April abgeschlossen sein wird. Einzelne Bauleistungen werden in den kommenden Wochen vergeben, so dass der Bau dann planmäßig Ende April auch physisch weitergehen wird.

Warum Carbonbeton?

Der weltweit bedeutendste Baustoff, Stahlbeton, ist national mit über 100 Millionen verbauten Kubikmetern pro Jahr zugleich auch der wichtigste Baustoff Deutschlands. Um den Stahl vor Korrosion zu schützen, wird er mit einer dicken Betonschicht überdeckt.

Da Carbon nicht korrodiert, entfällt bei der Carbonbetonbauweise diese Schutzschicht für die Stahlarmierung. Der Materialwechsel zu Carbonbeton ermöglicht schon deshalb einerseits eine Materialersparnis von bis zu 80 %. Andererseits reduziert er den Energiebedarf und CO2-Ausstoss um bis zu 50 %.

Hinzu kommt, dass die hochtragende, nichtrostende Bewehrung aus Carbon eine weit höhere Lebensdauer erwarten lässt und somit eine alleine über die Lebensdauer rohstoffsparende Alternative im Bauwesen darstellt. Hinzu kommt, dass das Carbon viermal leichter und sechsmal tragfähiger ist als Stahl.

Initiator ist das aus Bundesmitteln finanzierte Projekt C³ – Carbon Concrete Composite. Das Gebäude bündelt die Ergebnisse, die seit 2014 in diesem Vorhaben intensiv erforscht werden. Zu den Partnern gehören die Unternehmen AIB GmbH, Assmann Beraten & Planen, Betonwerk Oschatz, Hoch- und Tiefbau Sebnitz sowie der eingetragene Verein Texton und die HTWK Leipzig sowie die TU Dresden.

Bild oben: Die Baugenehmigung ist erteilt – der Bau muss wegen der Covid-19 Pandemie warten. (Quelle: Carbon Concrete Composite)


Quelle und weitere Infos: Carbon Concrete Composite, Kompetenzatlas Leichtbau

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