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Fakuma 2026: Leichtbau muss sich rechnen

Leichtbau auf den Punkt: Für die Produktentwicklung in der Kunststoffverarbeitung zählt Leichtbau nach meinen Messegesprächen mittlerweile als wirtschaftliches Entscheidungskriterium, weil er Material spart und Kosten senkt.


Material sparen, Kosten senken, effizienter produzieren: Mit wem ich auch auf der Fakuma über Leichtbau sprach, schnell kamen wir auf dessen Wirtschaftlichkeit. Häufig wird Leichtbau heute bereits bei der Produktentwicklung mitgedacht und ist damit längst ein handfestes Entscheidungskriterium.

Noch vor zwei Jahren stand vor allem der Beitrag des Leichtbaus zum Klimaschutz im Mittelpunkt der Nutzenvorteile. Heute überzeugen Effizienz und Kosten. Für mich zeigt dieser Wechsel, wie krisenfest das Leichtbau-Prinzip ist: Die Begründung ändert sich, seine Relevanz bleibt.

Vorsichtiger wirtschaftlicher Optimismus

Eine leichte wirtschaftliche Belebung war in fast jedem meiner Gespräche und in den Pressekonferenzen ein Thema. Ein vorsichtiger Optimismus, der auf mich breiter abgestützt und beständiger wirkte als in den vergangenen Jahren, aber mit Euphorie oder großem Befreiungsschlag noch wenig zu tun hat. Das ist ein persönliches Stimmungsbild aus zwei Messetagen. Ob daraus ein belastbarer Aufschwung wird, muss sich erst zeigen.

In den Hallen schien mir allerdings weniger Betrieb zu herrschen – verglichen mit einer Fakuma voriger Jahre. Ob das mit dem veränderten Messerhythmus – Beginn bereits am Montag – zu tun hatte? Ich glaube eher nicht, denn der Trend lässt sich über einige Messen hinweg beobachten: An den großen Ständen volles Haus, dazwischen Platz zum Reden. Internationales Publikum, viele vereinbarte Termine und konkrete Anliegen. Das macht einen Messebesuch zielgerichtet. Aber bleibt dabei noch genug Gelegenheit für das Ungeplante?

Aber genau darin liegt nach meiner Ansicht ein wesentlicher Wert solcher Veranstaltungen: ins Gespräch zu kommen, ohne bereits zu wissen, wohin es führt. Eine Idee mitzunehmen, nach der man gar nicht gesucht hat. Den berühmten Blick über den Tellerrand wagen – und mit neuen Ideen nach Hause fahren.

(Im Video u.a. P.E. Schall, Anybrid, Royos joining Solutions, EMS Chemie, Lehvoss. Die Produktbilder zeigen wie vielfältig Leichtbau ist: Vom Chassis eines Lagerroboters über ein Bauteil aus der Luftfahrt bis hin zum B2C-Bereich in der Medizintechnik – auch hier zeigt sich die Krisenfestigkeit des Leichtbaugedankens und entsprechender Technologien: Anbieter sind nicht auf eine Branche festgelegt, sondern können ihre Technologien branchenübergreifend vermarkten.)

Zwei Pioniere der Leichtbauwelt und ein Wiedersehen auf der Bühne

Manchmal schließt sich auf einer Messe auch ein Kreis. Beim erstmals verliehenen Innovation Award gewannen Anybrid in der Kategorie Spritzgießen und Royos Joining Solutions in der Kategorie Peripherie. Beide Gründerteams kennen Leichtbauwelt-Leser aus der Serie „Pioniere der Leichtbauwelt“.

Ich verfolge die Entwicklung der Pioniere mit großem Interesse. Umso mehr habe ich mich gefreut, die beiden Teams nun auf der Bühne zu sehen. Hinter solchen Auszeichnungen stehen Menschen, die ihre technischen Ideen in wirtschaftlichen Erfolg übersetzen wollen.

Fortschritt braucht Impulse jenseits der Suche

Nachdenklich gemacht haben mich die Gespräche mit Pressekolleginnen und -kollegen über die starke Konsolidierung der Kunststoff-Fachmedien. Denn damit stellt sich auch die Frage, wo technische Entwicklungen künftig sichtbar werden. Gerade jene, die außerhalb des eigenen Werkstoffs, der eigenen Branche oder der täglichen Aufgaben liegen.

Wer gezielt sucht, kennt sein Anliegen bereits. Inspiration beginnt früher: bei einem Gespräch, einem Beitrag, einer Verbindung, die bisher nicht nahelag. Darin sehe ich eine gemeinsame Aufgabe von Fachmedien und Messen sowie Netzwerkveranstaltungen.

Nach zwei Tagen Fakuma bleiben für mich deshalb die wirtschaftlichen Argumente für Leichtbau ebenso wichtig wie der persönliche Austausch. Materialeffizienz und Kosten öffnen derzeit viele Gespräche. Damit daraus neue Ideen entstehen, braucht es weiterhin Gelegenheit, über die konkrete Aufgabenstellung hinauszudenken.


Christine Koblmiller

Autor: Christine Koblmiller, Redakteurin, Gründerin, Fachjournalistin aus Leidenschaft und überzeugter Leichtbau-Fan.

Mit dem Metamagazin Leichtbauwelt.de habe ich 2018 ein neues Medienformat im B2B-Umfeld geschaffen. Leichtbauwelt ist Inspiration für Ihren Fortschritt und Wissen, wie’s leicht wird. Leichtbauwelt verlinkt, vernetzt und ordnet ein, verlagsunabhängig und transparent. Partei ergreife ich nur für den Leichtbau, von dessen Nutzen ich überzeugt bin.

Seit etwa 25 Jahren bin ich Redakteurin für technische B2B-Fachzeitschriften. Für verschiedene führende Fachmagazine habe ich schon 2001 crossmediale Angebote eingeführt. Ich bin mir sicher, dass sich die Medienbranche sich ständig an wechselnde Rahmenbedingungen anpassen muss. Mehr über mich finden Sie unter Conkomm, auf Xing oder LinkedIn.

„Leichtbau fasziniert und begeistert. Die Entwicklung von Leichtbauwelt über die letzten Jahre zeigt, dass der Markt unser Angebot braucht und gerne annimmt.“

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