Markt für leichte E-Nutzfahrzeuge springt langsam an

Im PKW-Bereich hat 2020 eine nachhaltige Trendwende zur Elektromobilität begonnen. Der Markt für leichte E-Nutzfahrzeuge bis 3,5 t Gesamtgewicht lag dagegen bislang im Dornröschenschlaf. Das Chemnitz Automotive Institute CATI erkennt in einer neuen Studie erste Anzeichen für eine Anspringen des Marktes und rechnet bis 2030 mit einem Wachstum der Neuzulassungen um jährlich 25 Prozent. Die Studie wurde im Auftrag und in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Automotive Thüringen durchgeführt.

Durch die kommerzielle Nutzung leichter Nutzfahrzeuge hat die Wirtschaftlichkeit allerhöchste Priorität und stellt eine hohe Marktbarriere für den Einsatz elektrischer Modelle dar, heißt es in der Studie. Hinzu kommt, dass die bis 2020/2021 äußerst moderaten CO2-Grenzwerte für leichte Nutzfahrzeuge bislang keine Impulse für eine Trendumkehr zu emissionsarmen Antrieben auslösen konnten. Diese Schonfrist ist nun vorbei. Die jetzt durch die EU für 2025 und 2030 festgelegten Grenzwerte sind mit dem heutigen Antriebsmix nicht mehr zu erreichen.

Die Hersteller reagieren: Sie verdoppeln 2020/2021 ihr Modellangebot an elektrischen leichten Nutzfahrzeugen laut CATI. Zudem betreten Newcomer und Start-ups diesen Markt. Letzteres gilt insbesondere für die USA und Großbritannien, wo junge Unternehmen wie Rivian und Arrival in ganz anderen Dimensionen über erforderliche Kapitalausstattungen verfügen, während in Deutschland der Pionier StreetScooter vor dem Aus steht.

2020 haben trotz der Branchenkrise die Neuzulassungen batterieelektrischer leichter Nutzfahrzeuge um 40 Prozent zugelegt, allerdings auf einem äußerst geringen Ausgangsniveau. Im Ergebnis erwartet die CATI-Studie bis 2030 bei elektrischen leichten Nutzfahrzeugen ein jährliches Wachstum von 25 Prozent. Brennstoffzellen-Fahrzeuge spielen bislang unverändert keine Rolle. 2020 wurden europaweit 14 Fahrzeuge mit dieser Antriebstechnologie neu zugelassen, 2019 war es ein Fahrzeug.

Zur Überwindung der Marktbarrieren für elektrische leichte Nutzfahrzeuge sind – so die CATI-Autoren Prof. Dr. Werner Olle und Dr. Daniel Plorin – drei technologische Trends von elementarer Bedeutung, die von Herstellern und Start-ups gegenwärtig vorangetrieben werden:

  1. Neue Plattform-Strukturen (Skateboard-/Rolling Chassis), die optimalen Nutzraum anbieten und durch Skalierbarkeit hohe Stückzahlen und damit Kostendegressionen zulassen;
  2. Eine Modularisierung der Fahrzeugarchitektur und der Aufbauten, die zur Kosten- und Investitionsreduzierung beitragen (durch einen Anstieg von Gleichteilen sowie der Möglichkeit, die Anzahl Fahrzeuge bei Flottenbetreibern zu verringern) und
  3. der Leichtbau im Fahrzeug und bei den Aufbauten, um Mehrgewichte aus neuen Antrieben zur Sicherung der Nutzlast zu kompensieren.

Das Chemnitz Automotive Institute CATI ist ein Geschäftsbereich des TUCed – An-Institut für Transfer und Weiterbildung GmbH an der Technischen Universität Chemnitz.

Bild oben: Der deutsche Anbieter ARI hat bereits leichte Nutzfahrzeuge mit Elektroantrieb im Angebot. (Quelle: ARI)


Quelle und weitere Infos: Pressemitteilung, TU Chemnitz

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