Im Juli 2020 berichtete Leichtbauwelt über die Leichtbau-Teleskopschiene aus Kunsttoff, die das Unternehmen Igus damals auf den Markt brachte. Sie besteht aus einem verschleißfestem Hochleistungspolymer und wurde vor fünf Jahren erstmals im Spritzgussverfahren gefertigt.
Doch was ist aus dieser Entwicklung geworden? Im Rahmen unseres Formats „Pilot oder Pause – der Leichtbaucheck“ haben wir bei Igus nachgefragt.
Wie hat sich das Projekt entwickelt und welche Forschritte konnten erzielt werden?
Seit der Markteinführung des ersten vollständig aus Kunststoff gefertigten Teleskopsystems NTP-27 im Jahr 2020 hat sich bei unserem Produkt Drylin viel getan. Wir haben das NTP-27 in einer umweltfreundlicheren Variante weiterentwickelt, sodass es PTFE-frei und PFAS-geprüft ist. Diese Fortschritte stärken die Marktfähigkeit und Nachhaltigkeit der Produkte und unterstützen die Anwender bei der Industrialisierung und Zertifizierung ihrer Anwendungen.

Da das Teleskopsystem einen begrenzten Auszugsbereich bis maximal 125 mm hat, wird es eher in Nischenbereichen eingesetzt. Auch wenn es deshalb nicht zu den Topseller-Produkten gehört, war es ein wichtiger Wegbereiter für den gesamten Teleskopbereich. Es hat entscheidende Impulse geliefert. So haben wir den Bereich unserer Teleskopauszüge weiter ausgebaut, Vollauszugslängen bis 2000 mm realisiert, Vorspannung und Rastpunkte integriert, unterschiedliche Beschichtungen entwickelt und die ersten motorisierten Teleskopsysteme auf den Markt gebracht. Ganz neu sind Systeme mit einer beidseitigen Links-Rechts-Auszugsmöglichkeit. Um die Auswahl leichter zu gestalten, haben wir zudem einen Online-Konfigurator entwickelt.
Welchen Beitrag kann die Entwicklung zum Leichtbau leisten?
Die Entwicklungen von igus leisten einen wichtigen Beitrag zur Zukunft des Leichtbaus – durch innovative Materialien, kompakte Bauformen und wartungsfreie Systeme. Die Kombination aus geringem Gewicht, hoher Funktionalität und Nachhaltigkeit schafft neue Möglichkeiten für Anwendungen in der Medizintechnik, Robotik und mobilen Industrie.
Als Beispiel könnte man die Drylin NSV-Prismenführung nennen. Sie weist eine Breite von nur 20 mm auf – einschließlich PTFE-freiem Schlitten mit drei Vorspannklassen für kontrolliertes Verstellen. Besonders die selbstschmierenden Hochleistungspolymere ermöglichen wartungsfreie, saubere und hygienische Lösungen, die Ressourcen schonen und Prozesse vereinfachen.
Welche Rolle spielt Leichtbau für das Unternehmen?
Leichtbau ist für Igus strategisch und technologisch von zentraler Bedeutung. Er beeinflusst nicht nur die Produktentwicklung, sondern auch die Marktpositionierung. Die Drylin-Systeme stehen exemplarisch für den Anspruch, Technik mit Nachhaltigkeit zu verbinden – und das in einem wachsenden Markt, der zunehmend auf ressourcenschonende Lösungen setzt. Branchen wie Schiffsbau, Luftfahrt, Automotive, aber auch Medizin- und Labortechnik sind für uns besonders interessant, ebenso neue Anwendungsfelder wie tragbare Endprodukte am Beispiel der Exoskelette, bei denen jedes Gramm zählt.
Unsere Einschätzung
Die Entwicklung der Kunststoff-Teleskopschiene zeigt, dass Leichtbau nicht immer in großen Strukturbauteilen stattfinden muss, sondern auch in funktionalen Komponenten erhebliche Wirkung entfalten kann. Auch wenn das ursprüngliche System selbst ein Nischenprodukt geblieben ist, hat es als technologischer Impulsgeber gewirkt und die Weiterentwicklung eines ganzen Produktportfolios angestoßen.
Besonders relevant ist dabei der konsequente Fokus auf wartungsfreie, leichte und zunehmend nachhaltige Lösungen. Die Weiterentwicklung hin zu PFAS-freien Materialien und die Integration zusätzlicher Funktionen wie Motorisierung oder beidseitige Auszüge zeigen, wie sich Leichtbau mit Systemdenken verbinden lässt. Für Anwender ergibt sich daraus ein klarer Mehrwert: mehr Designfreiheit, geringerer Wartungsaufwand und neue Einsatzmöglichkeiten – insbesondere in sensiblen Branchen wie Medizintechnik oder Robotik.
Wer ist Ansprechpartner für Rückfragen?

Interessierte können sich bei Fragen oder Kooperationsinteresse direkt an Michael Hornung wenden.
Bild oben: Die Teleskopschiene von damals wurde in einer umweltfreundlicheren Variante weiterentwickelt. (Quelle: Igus)
Auf diesen Beitrag bezieht sich der Leichtbau-Check:
Igus fertigt erstmals Leichtbau-Teleskopschiene aus Kunststoff


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