Über die Entwicklung zu den massivumgeformten Endplatten für Batteriemodule berichtete Leichtbauwelt im Juli 2025. Worum ging es? Das Unternehmen Hirschvogel arbeitete explizit an massivumgeformten, metallischen Strukturelementen für Batteriemodule, da die Massivumformung – je nach Werkstoff – Vorteile hinsichtlich Festigkeit, Dichtigkeit oder Temperaturbeständigkeit bietet.
Was ist aus diesem Ansatz geworden? Im Rahmen unseres Formats „Pilot oder Pause – der Leichtbaucheck“ haben wir bei Hirschvogel nachgefragt.
Wie hat sich das Projekt entwickelt und welche Forschritte konnten erzielt werden?
Das „Battery Housing“ ist für Hirschvogel aktuell vor allem im Bereich E-Lkw ein zentrales Thema. Die Endplatten für die Batteriemodule in den letzten Monaten wurden erheblich weiterentwickelt. Wesentliche technische Neuerungen gibt es bei ihrer individuell auf die jeweilige Zellchemie abgestimmten Auslegung. Mit Blick auf den Leichtbau kann das Unternehmen zudem die Anatomie der Endplatten anforderungsgerecht topologisch optimieren. Das heißt, nur da, wo tatsächlich Material benötigt wird, kommt es auch zum Einsatz.
Weitere Neuerungen gibt es bei der kostenoptimierten Herstellung der Endplatten mittels Massivumformung: Funktionsflächen der Endplatten werden konturnah, also „Near-Net-Shape“ geschmiedet, sodass im Anschluss teilweise auf eine spanabhebende Weiterveredelung verzichtet werden kann.
Welche konkreten Fortschritte wurden erzielt?
„Derzeit befinden wir uns in der Vorbereitung der Markteinführung“, heißt es von seiten des Zulieferers. Erste Muster wurden erfolgreich in der Massivumformung sowie in der Weiterveredelung hergestellt – in enger Abstimmung mit Kunden.
Wie könnte die Entwicklung den Leichtbau in Zukunft dennoch weiter voranbringen?
Geschmiedetes Aluminium kann im Vergleich zu Aluminiumguss durch höhere Festigkeiten punkten. Das kommt dem Leichtbau zugute. Eine weitere Steigerung ergibt sich, wenn in der Massivumformung hochfeste Stähle verwendet werden. Ihre im Vergleich zu Aluminium hohen Festigkeits- und Streckgrenzen ermöglichen es, die Batterie-Endplatten dünner zu bauen, was dazu führt, dass die Packdichte der Batteriepacks in den Batteriemodulen erhöht werden kann. Ein Vorteil in Richtung Nachhaltigkeit: Bei der Herstellung von Stahl fallen deutlich weniger CO2-Emissionen an als bei der Herstellung von Aluminium. Aufgrund seines geringen Kohlenstoffanteils ist umgeformter Stahl – anders als Stahlguss – darüber hinaus gut schweißbar.
Welche Bedeutung hat Leichtbau derzeit für Hirschvogel?
Ob Stahl- oder Aluminiumkomponenten, Leichtbau habe bei Hirschvogel strategisch einen hohen Stellenwert, so das Unternehmen. Durch Leichtbau lässt sich in der Massivumformung das benötige Einsatzgewicht von Stahl, Aluminium oder anderen Werkstoffen erheblich reduzieren. Das spart Kosten und CO2 sowohl bei uns als produzierendem Unternehmen als auch beim Fahrzeugnutzer auf der Straße.
Unsere Einschätzung
- Ein Pilot auf dem Weg zur Markteinführung: Die massivumgeformten Batterie-Endplatten haben die reine Konzeptphase verlassen. Erste Muster sind gefertigt, die Abstimmung mit Kunden läuft. Der nächste Schritt ist nun, die technischen und wirtschaftlichen Vorteile unter industriellen Bedingungen nachzuweisen.
- Der Leichtbauansatz ist dabei bemerkenswert: Statt allein auf Werkstoffe mit geringer Dichte zu setzen, kombiniert die Entwicklung hochfeste Materialien mit topologisch optimierten Geometrien und kontur nahem Schmieden. So lassen sich Materialeinsatz und Bearbeitungsaufwand reduzieren. Dünnere Endplatten könnten zudem mehr Bauraum für Batteriezellen schaffen – ein wichtiger Vorteil gerade bei E-Lkw.
- Was lässt sich aus diesem Pilot ableiten? Leichtbau ist die Antwort auf die Frage, wie viel Material ein Bauteil für seine Funktion tatsächlich benötigt. Ob aus diesem Beispiel eine wirtschaftliche Serienlösung wird, muss die bevorstehende Markteinführung zeigen. Entscheidend dabei ist nicht der Leichtbau alleine, sondern ob sich die erarbeiteten Vorteile bei Gewicht, Bauraum und Fertigungskosten auch in der Serienproduktion bestätigen.
Wer ist Ansprechpartner für Rückfragen?
Alle, die mehr wissen möchten, können sich an Klaus Fink wenden, Head of Product Development & Innovation bei der Hirschvogel Group.
Bild oben: Topologisch optimierte Endplatten minimieren den Materialeinsatz. (Quelle: Hirschvogel)
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