Wie sich ein Start-up neu erfindet und eine Marktlücke im Leichtbau nutzt: Die Idee von Bastian Gaedike war „Beratung“. Heute ist das junge Unternehmen Malping ein Fertigungsdienstleister für einsatzfertige Hochleistungspolymer-Bauteile, die ganz selbstverständlich auch im Leichtbau eingesetzt werden. Der Pionier der Leichtbauwelt erzählt, wie es dazu kam und warum PEEK in Kombination mit additiver Fertigung im Leichtbau unterschätzt wird.
Bild oben: v.l.: Bastian Gaedike (Quelle: malping)
Im Leichtbau sind branchen- und werkstoffübergreifende Impulse und neue Inspirationen für kreative, technologische Lösungen äußerst wertvoll. In der Serie „Pioniere der Leichtbauwelt“ kommen deshalb Gründer und Start-ups zu Wort. Hier haben sie die Möglichkeit, ihre Technologie, ihre Ideen und Visionen vorzustellen. Wenn sich so neue Partnerschaften über Unternehmens- und Branchengrenzen hinweg ergeben, dann haben wir bei Leichtbau(welt) unser Ziel erreicht: Inspiration für ihren Fortschritt.
Das Unternehmen Malping ist Fertigungsdienstleister für qualifizierte, einsatzfertige Hochleistungspolymer-Bauteile. Diese entstehen auf Basis additiver Fertigungsprozesse, speziell dem 3D-Druck. Ziel des Unternehmens ist, diesen Fertigungsprozess zu beschleunigen und die Kapazitäten weiter auszubauen.
Leichtbauwelt: Ihr noch junges Unternehmen ist ein Paradebeispiel für eine gelungene Anpassungsleistung – warum?
Bastian Gaedike: Interessante Einstiegsfrage, aber ja, das ist richtig. Zu Anfang hatte ich mein Unternehmen Malping als reinen Beratungsdienstleister gesehen. Schnell wurde mir jedoch klar, dass Kunden auch mal ein Bauteil aus PEEK haben wollen. Vor vier Jahren – 2022 – gab es einige Hersteller, die das konnten. Aber es gab keinen ernst zu nehmenden Fertigungs-Dienstleister. Da ich schon immer eine hohe Affinität zur Produktion hatte, war für mich sofort klar, dass genau das unsere Nische ist.
Leichtbauwelt: Gab es einen Moment, an dem für Sie ganz deutlich wurde: Jetzt wird aus Beratung ernsthafte Produktion?
Bastian Gaedike: Ja, beim großen Branchen-Treffen, der Formnext in Frankfurt, begegnete mir ein alter Studienkollege: Uwe Popp. Er war damals Geschäftsführer von Apium, einem Hersteller für PEEK-3D-Drucker. Noch auf der Messe haben wir eine Partnerschaft skizziert und per Handschlag geschlossen. Ab da wurde es ernst.
„Je größer das Bauteil ist, das bisher zerspant wird, um so größer ist die Einsparung.“
Bastian Gaedike, Malping
Leichtbauwelt: Was hat Ihre Idee, Technologie oder Innovation mit Leichtbau zu tun?
Bastian Gaedike: Für viele Anwendungen von Hochleistungsthermoplasten wie PEEK werden derzeit Kompromisse aus anderen Werkstoffen eingesetzt. Ich denk da zum Beispiel an Stahlvorrichtungen in Umgebungen mit hoher Dynamik. Das hohe Gewicht führt zu schnellerem Verschleiß anderer Teile oder niedrigeren Prozessgeschwindigkeiten. Hochleistungspolymere sind nicht wie beispielsweise Composites direkt mit dem Gedanken an Leichtbau verknüpft. Aber diese Werkstoffgruppe kann hier durch das geringe Gewicht schnell punkten, ohne die Anwendung einzuschränken.
Und im Vergleich zu anderen Kunststoffverfahren können wir mit der additiven Fertigung Teile liefern, die teilweise hohl oder generische Strukturen innehaben. Dies führt ebenfalls zu niedrigeren Bauteildichten.
Leichtbauwelt: Was tun sie genau? Können Sie das in wenigen Sätzen erklären?

Bastian Gaedike: Wir verarbeiten Hochleistungskunststoffe als Draht, sogenanntes Filament, oder Granulat. Diese werden in einem Druckkopf aufgeschmolzen und lagenweise ausgebracht. Jede Lage ist quasi ein 2D-Bild, dass von dem Druckkopf gemalt wird. Durch Stapelung dieser Lagen entsteht ein 3D-Körper. Durch diesen Lagenaufbau ist es möglich, Konstruktionen ganz anders zu denken und das ermöglicht viel Gestaltungsspielraum für den Leichtbau.
Leichtbauwelt: Die Gestaltungsfreiheit der additiven Fertigung ist im Leichtbau bekannt und wird schon länger genutzt. Aber was ist technologisch das Besondere an Ihrer Lösung? Was funktioniert heute, was vorher nicht möglich war?
Bastian Gaedike: Insbesondere beim Granulat-Druck von PEEK und anderen Hochleistungspolymeren sehen wir uns als Vorreiter. Wir haben als Partner einen Hersteller aus Rostock, die New AIM3D GmbH, der patentierte Granulat-Maschinensysteme baut. Mit diesen Maschinensystemem können wir sehr große PEEK-Teile abbilden, die sich über kein anderes Verfahren – beispielsweise Zerspanung – herstellen lassen. Der große Vorteil ist dabei, dass wir Standard-Granulatsorten verwenden können, die auch im Spritzguss zum Einsatz kommen.
Leichtbauwelt: Warum gab es diese Lösung bislang noch nicht?
Bastian Gaedike: Die Granulat-Technologie ist viel komplexer als die Filament-Technologie, die sehr stark verbreitet ist. Ein Kunststoff-Draht lässt sich im Prozess sehr homogen vor und zurück bewegen. Das ist mit Granulat, das in einer Schnecke aufgeschmolzen wird, nicht so einfach. Das heißt, es braucht eine Maschine und eine Prozesssteuerung, die den Granulatdruck sicher abbildet.
Leichtbauwelt: Welche bestehende Annahme stellen Sie mit Ihrer Innovation infrage?
Bastian Gaedike: PEEK-Teile müssen nicht so teuer sein. Und schon gar nicht jedes zerspante PEEK-Teil.
„Sehr oft müssen wir Anwender noch dabei unterstützen, die Vorteile von 3D-Druck wirklich zu nutzen.“
Bastian Gaedike, Malping
Leichtbauwelt: Welchen konkreten Nutzen erzielen Anwender heute bereits mit Ihrer Lösung? Haben Sie Beispiele oder Zahlen?
Bastian Gaedike: Je größer das Bauteil ist, das bisher zerspant wird, um so größer ist die Einsparung für unsere Kunden. Im Schnitt liegen wir bei 30 Prozent Einsparungen im Vergleich zu konventionellen Frästeilen.
Leichtbauwelt: Welchen Beitrag kann Ihre Technologie zu Nachhaltigkeit oder Klimaschutz leisten?
Bastian Gaedike: Die additive Fertigung ermöglicht eine endkonturnahe Fertigung. Somit haben wir deutlich weniger Produktionsabfall. Im konventionellen Zerspanen sind Zerspanvolumen von 60 bis 90 Prozent nicht unüblich. Das alles ist wertvolles Material, das am Ende entsorgt wird – oder mit Energieeinsatz wieder recycelt werden kann. Hier ist unserer Ansatz deutlich nachhaltiger.
Leichtbauwelt: Welcher dieser Leichtbau-Vorteile wird von Anwendern aktiv nachgefragt oder müssen Sie noch Überzeugungsarbeit leisten?
Bastian Gaedike: Sehr oft müssen wir Anwender noch dabei unterstützen, die Vorteile von 3D-Druck wirklich zu nutzen. Viele Anfragen beziehen sich im Kern noch auf die Geometrie eines zerspanten Produkts. Da müssen wir oft noch die Unterschiede und Möglichkeiten aufzeigen.
Leichtbau ist für mich persönlich …
~… ein enormer Faktor für die Energiewende.
Die größte Herausforderung im Leichtbau ist …
~… die Vereinbarkeit von Wirtschaftlichkeit und idealem Leichtbau.
Der wichtigste Trend im Leichtbau ist aktuell …
~… die Verbindung von additiver und konventioneller Fertigung.
Leichtbauwelt: Für welche Anwendungen oder Branchen eignet sich Ihre Lösung besonders gut?
Bastian Gaedike: Wir sind in vielen Branchen unterwegs, da PEEK überall da genutzt wird, wo ein Kunststoff außergewöhnliches leisten muss. Aber ich sehe vor allem im Maschinenbau, der Elektronik und der chemischen Industrie unser „Zuhause“.
Leichtbauwelt: Und wo liegen heute noch die Grenzen der Technologie?
Bastian Gaedike: Wir können nicht unendlich fein drucken. Bei Mikroteilen kleiner als 10 mm3 haben wir derzeit noch das Nachsehen.
Leichtbauwelt: Sind auch Sie selbst schon an Ihre Grenzen gestoßen? Was war Ihr bisher größter „Das klappt nie“-Moment – und wie haben Sie ihn überwunden?
Bastian Gaedike: Eigentlich hatte ich den so nie wirklich. Sicher, manchmal kommen bei Rückschlägen Zweifel auf, ob alles so funktioniert, wie man es im Business Case der ersten Zeit geplant hat. Und eigentlich kommt es auch selten so, wie man es plant.
Zum Beispiel haben wir einen Fertigungsprozess entwickelt, um Reinraum-Teile für Pharmazie-Verpackungsmaschinen fertigen zu können. Das hat am Ende ein Jahr gedauert und eben nicht drei Monate wie zunächst geplant. Es lag jedoch weniger an den Entwicklungsschritten, als viel mehr an den Rahmenbedingungen: ausbleibende Materiallieferungen, unerwartete Druckluft-Verschmutzungen oder ausbleibende Arbeit von externen Partnern. Da gab es einige Momente, die enorm belastend waren. Doch macht nicht das den Reiz des Unternehmertums aus?
Leichtbauwelt: Sicher, solche Schwierigkeiten zu überwinden und aus ihnen zu lernen, gehört zum notwendigen Mindset eines Unternehmers, Gründers oder Entwicklers. Welche Stärke bringen Sie persönlich in ihr Unternehmen ein?
Bastian Gaedike: Ich denke, es braucht eine Menge Mut, eine Idee umzusetzen, die zu einem großen Teil auf Investitionen angewiesen ist. Wir arbeiten ohne Investor und versuchen auch zukünftig, mit laufenden Einnahmen weitere Investitionen in unser Unternehmen und die Technologie zu tätigen. Die dafür nötige Geduld fehlt mir noch, aber ich arbeite daran.
Leichtbauwelt: Welche Herausforderung begegnet Ihnen derzeit am häufigsten – technologisch oder geschäftlich?

Bastian Gaedike: Technologisch haben wir oft mit Nachwirkungen des 3D-Druck-Hypes zu kämpfen. Viele gute Hersteller sind in der Krise verschwunden. Andere haben mit viel Fremdkapital und Versprechungen vom blauen Himmel viel verbrannte Erde hinterlassen. Die Nachwirkungen spüren wir heute noch.
Geschäftlich gibt es immer Herausforderungen, die aber eher nicht in unserer Hand liegen. Insbesondere die Störungen von Lieferketten durch Kriege und Konflikte sind ein Thema. Wir müssen uns aber um das kümmern, was wir beeinflussen können. Daher legen wir unseren Fokus auf lokale oder regionale Lieferanten.
Leichtbauwelt: Was haben Sie über Unternehmertum gelernt, das Sie vor der Gründung völlig unterschätzt hatten?
Bastian Gaedike: Das Thema Kundenakquise. Man kann noch so schöne technische Lösungen haben, aber ohne überzeugte Anwender und damit zahlende Kunden ist schnell das Ende der Fahnenstange erreicht.
Leichtbauwelt: Welche Kompetenzen oder Partner suchen Sie aktuell, um den nächsten Entwicklungsschritt zu gehen?
Bastian Gaedike: Wir müssen Hardware und Personal behutsam skalieren. Die Partner dafür haben wir schon, daher ist es nur noch davon abhängig, wie viele neue Kunden wir in den nächsten Monaten gewinnen können.
Leichtbauwelt: Welche Entwicklung hat für Ihr Unternehmen aktuell die höchste Priorität?
Bastian Gaedike: Wir wollen der Anbieter für additive Fertigunsleistungen von Hochleistungskunststoffen wie PEEK im DACH-Raum sein. Da geht es mir weniger um Umsätze als darum, dass wir bei jeder Anwendung in diesem Bereich ins Gespräch kommen.
Leichtbauwelt: Wo sehen Sie Ihre Technologie oder Ihr Unternehmen in fünf Jahren?
Bastian Gaedike: Unser Unternehmen ist in fünf Jahren deutlich gewachsen. Vielleicht bin ich dann weniger im Tagesgeschäft und kann mich mehr um die Weiterentwicklungen intern wie extern kümmern.
Leichtbau ist eine Schlüsseltechnologie für den Klimaschutz, weil …
~ … es bewegliche Massen deutlich reduziert und somit Energie einspart.
Eine Entwicklung im Leichtbau, die wir heute unterschätzen, ist …
~ … die Verwendung von Hochleistungskunststoffen.
In fünf Jahren werden wir im Leichtbau …
~… deutlich mehr über hybride Fertigungsverfahren sprechen.
Die Leichtbau-Community sollte über unsere Innovation Bescheid wissen, weil …
~… die additive Fertigung die Tür zu vielen Möglichkeiten aufstößt, die bisher nicht umsetzbar waren.
Leichtbauwelt bietet Inspiration, weil …
~ … aus unterschiedlichen Branchen kluge Köpfe zusammenkommen.
Leichtbauwelt: Welche Entwicklung im Leichtbau wird heute noch unterschätzt, über die wir in fünf Jahren alle sprechen werden?
Bastian Gaedike: Kunststoffe haben es immer noch schwerer gegen klassische Metalle. Das liegt nicht nur am Schmuddelimage von Kunststoffen, sondern auch an der zerspanenden Fertigung. Wir können da noch sehr viel mehr bewegen und das wird durch die additive Fertigung auch passieren.
Leichtbauwelt: Wenn Sie einen Wunsch für den Leichtbau frei hätten – welcher wäre das?
Bastian Gaedike: Mehr Hochleistungspolymere wie PEEK zu nutzen! 😀

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